Die stille Einsamkeit erfolgreicher Männer
– Erfahrungen einer Escortdame

Geschichte einer Escortlady
„Er nannte es einen Wunsch, ich nannte es Mutprobe: „Nur Unterwäsche, darüber der Mantel.“
Draußen lag die Provinz in schwarzer Stille, ein modernisiertes Bauernhaus am Ende der Welt – ringsum nichts als Wind und das Summen der Laterne über der Hofeinfahrt. Ich fror, aber die Vorfreude auf den Ironman, der mich letztes Mal schon bei der Begrüßung stürmisch an die Wand gedrückt hatte, wärmte.
Kaum öffnete er, legte sich seine Hand an meinen Nacken, dann das Flüstern: „Vertraust du mir?“
Spätestens als er mir eine Augenbinde um den Kopf schlang, sodass ich nichts mehr sah, spätestens als er mir den Mantel auszog, mich nackt irgendwohin führte, meine Handgelenke in Manschetten legte und mich ankettete, hätten alle meine Alarmglocken anspringen müssten. Aber das passierte nicht. Meine Synapsen, die für Angst zuständig sein sollten, schalteten mal wieder nicht. Es gab keinen Platz für Alarm – nur Neugier. Zum einen wusste ich meine Agentin im Hintergrund, die Name und Adresse kannte, zum anderen hatten wir im Vorfeld ein Safeword vereinbart, das unser Spiel sofort beendet hätte.
Ich testete die Spannung, ließ mich in den Aufhängungen schwingen. „Ich muss ein unglaubliches Grundvertrauen in diese Welt haben“, sagte ich lachend in die Finsternis. Er lachte mit — ein kurzes Verschwinden, Schritte, die zurückkehrten.
Der Flogger kam zuerst, tastend, weicher als sein Name, dann der noppige Vibrator, der den Raum zwischen meinen Beinen in Strom verwandelte. Ich sog Luft zwischen den Lippen ein. Zwischendurch küsste er mich, zog mich an den Haaren oder griff in meinen Arsch. Saugnäpfe schlossen sich an die Nippel, schraubten Druck, der zugleich hielt und biss. Ich stemmte mich in die Ketten, gab ihm Winkel und Anweisungen, bis seine Hand die Bewegung verstand: senkrecht ansetzen, minimal zurück, die kleinste Verschiebung — und die Welt kippte. Der Orgasmus riss durchs Becken, ein helles, unwillkürliches Auflachen hinterher, wie Erleichterung nach einem Gewitter. „Immer die Hardcore-Variante“, murmelte ich, halb spöttisch, halb stolz.
Als er mich löste und das Blut zurückkehrte, kribbelten die Hände; die Finger gehorchten erst zögernd. Die Binde fiel, das Licht war plötzlich zu hell.
„Einen Moment“, bat ich. Er wusste. Aftercare: Arme, die halten, Wasser, das er mir bringt, diese Fürsorge, ohne die Härte nur Pose wäre.
Er führte mich durch sein Haus — alte Eichenbohlen, ein offener, hoher Raum, oben eine Galerie, darunter ein Ventilator, der die Wärme zurückdrückte. Bauernhaus, neu gedacht: ruhig, durchdacht, sicher.
Auf dem Sofa fand seine Hand meinen Nacken und führte meinen Kopf, bis mein Mund seine Lust fand. Er ließ mich tief, tiefer, meine Nase an seiner Haut, der Würgereflex als kurz gezähmtes Tier — durch die Nase ausatmen, den Hals weit werden lassen. Der Höhepunkt traf ihn plötzlich, lang und zuckend, so ausgedehnt, dass er darüber lachen musste. „Das war ganz passabel“, sagte er. Ich erwiderte das Lächeln und ließ los. Raum für anderes.
Er sprach von einer Frau, die geblieben war, als alles andere, Ehefrau und Kinder, ging. Vierundzwanzig, Alkohol als Pflaster, später Borderline als Diagnose. Eine Liebe, die auf dem Tisch tanzte, ekstatische Tage, Reisen, Leichtigkeit — und die Morgen danach, stumm vor Scham, scharf vor Angst. Er nahm sich zurück, zahlte Rechnungen, trug Lasten, wartete auf ein „Besser“. „Meine große Liebe“, sagte er. Dann die Klinik. Dann Kälte. Dass er mir diese Geschichte erzählte, berührte mich. Er vertraute mir, zeigte mir sogar einen Brief, den sie an ihn geschrieben hatte, kurz bevor sie in die Klinik ging. Ich wusste sofort, dass diese Beziehung toxisch war.
Ich hörte. Nicht mit dem Wohlwollen der Frau, die schon weiß, sondern mit der Aufmerksamkeit, die man aufbringt, wenn ein Knoten sich zeigt. Ich erzählte von Dynamiken, die ich selbst kannte — vom Taumel aus Idealisierung und Entwertung, sprach über die Verwechslung von Kontrolle und Nähe, von psychologischen Aspekten, die einer toxischen Dynamik zugrunde liegen. Ich zog mit den Worten eine Spur, der er in Gedanken nachging. Er nahm jeden Punkt auf, bis die Linie sichtbar wurde. Allmählich erkannte er seine Sucht.
„Bist du Hobbypsychologin?“, fragte er irgendwann, halb spöttisch, halb dankbar.
Ich erzählte von meiner eigenen Strecke, von den Jahren mit meinem Ex-Freund, in denen ich Abhängigkeit mit Liebe verwechselt hatte. Er schwieg, atmete, schaute nach innen, und das fiel ihm schwerer als alles andere. „Ich bin siebenundfünfzig“, sagte er leiser, „verantworte dreiundvierzig Menschen. Ich bin unantastbar, dachte ich. Und dann gibt es Abende … da könnte ich mich erhängen.“
Die Worte standen zwischen uns, roh.
„Die Antworten kenne ich eigentlich“, sagte er nach einer Weile. „Ich wollte sie nur nicht akzeptieren.“
Ja. Oft ist Akzeptanz die halbe Heilung. Er sprach von der Angst vor dem Alleinsein, ich von der Möglichkeit, es auszuhalten, ohne daran zu zerbrechen. Ich schlug ihm Methoden persönlicher Entwicklung vor, die mir einst geholfen hatten – kein Masterplan. Nur Richtung.
Seine Augen glänzten, als er schließlich lächelte, müde und weich. „Unglaublich. Normalerweise dominiere ich Frauen — und jetzt sitze ich hier wie ein Häufchen Elend und lasse mir von meiner Hure die Welt erklären …“
Ich hob die Schultern. „Die Hure hat gesagt, was du schon wusstest“, erwiderte ich, und er lachte wirklich. Aus meiner alten Beziehung hatte ich gelernt: Eine Liebe sollte sich leicht anfühlen, nicht wie ein Kampf.
Später lag ich noch einmal in seinen Armen. Es roch nach Holz, nach Land, nach Atem. Und für einen langen Moment war unser Geschäft nichts als Nähe — zwei Menschen in einem Zimmer, die sich, auf unterschiedliche Weise, aufrichten. Wieder einmal war ich erstaunt darüber, wie sich mir Menschen innerhalb kürzester Zeit anvertrauen. Und wie aus einem BDSM-Treffen eine Psychologiestunde wurde.“
Auszug aus „Escorts bleiben nicht zum Frühstück“

